2.630 Euro für Robux – so viel hatte ein 14-Jähriger über Monate in Roblox ausgegeben, in vielen kleinen Beträgen zwischen 5,99 und 59,99 Euro, abgebucht über die im Konto hinterlegte Karte der Eltern. Mit Hilfe der Verbraucherzentrale Niedersachsen erstattete der Anbieter am Ende die volle Summe. Der Fall ist kein Einzelfall, und er zeigt das Wichtigste: Eltern müssen solche Käufe in vielen Fällen nicht hinnehmen – wenn sie schnell und richtig handeln.
Dieser Ratgeber verbindet beides, was sonst getrennt im Netz steht: die Rechtslage in Deutschland und den konkreten Klickweg zur Rückerstattung bei Apple, Google, Roblox und Co. Dazu die Fristen, die kaum jemand korrekt kennt, und das Setup, mit dem der nächste teure Fehltipp gar nicht erst passiert.
Inhaltsverzeichnis
Müssen Eltern die Käufe ihres Kindes bezahlen?
Oft nicht. Das deutsche Zivilrecht schützt Minderjährige deutlich stärker, als viele Eltern glauben. Kinder unter sieben Jahren sind geschäftsunfähig – ihre Käufe sind von vornherein nichtig. Zwischen 7 und 17 Jahren sind Kinder beschränkt geschäftsfähig: Ein Vertrag ohne Einwilligung der Eltern ist nach Paragraf 108 BGB „schwebend unwirksam“ und wird erst gültig, wenn die Eltern ihn genehmigen. Verweigern sie die Genehmigung, ist der Vertrag unwirksam und der Anbieter muss zahlen. Das bestätigt die Verbraucherzentrale Hamburg zu In-App-Käufen von Kindern.
Der oft zitierte Taschengeldparagraf (Paragraf 110 BGB) hilft hier meist nicht – er setzt voraus, dass das Kind mit eigenen Mitteln voll bezahlt. Bei der Abbuchung über eine hinterlegte Karte der Eltern greift er in der Regel nicht. Für Sie heißt das: Der Kauf ist ohne Ihre Zustimmung angreifbar, und Sie können die Genehmigung verweigern.
Ein entscheidender Punkt aber: schnell handeln. Wer monatelang unbeanstandet zahlt, erzeugt einen Rechtsschein der Duldung, auf den sich Anbieter berufen. Prüfen Sie Abrechnungen also regelmäßig und widersprechen Sie sofort, sobald Sie einen ungewollten Kauf entdecken. Ausreden der Anbieter – die Eltern hätten ihre Aufsichtspflicht verletzt oder nutzten das Kind nur als Vorwand – sind ohne Beweis unwirksam.
Geld zurück bei Apple
Käufe im App Store und in iPhone-Apps fordern Sie zentral über die Apple-ID zurück, nicht beim Spielehersteller.
- Rufen Sie reportaproblem.apple.com auf und melden Sie sich mit Ihrer Apple-ID an.
- Wählen Sie „Ich möchte eine Rückerstattung beantragen“, geben Sie als Grund den versehentlichen Kauf oder den Kauf durch das Kind ohne Erlaubnis an.
- Wählen Sie den betroffenen Artikel aus und senden Sie den Antrag ab.
Die Frist beträgt 90 Tage ab dem Kauf für die Meldung eines Problems; in der EU kommt das gesetzliche Widerrufsrecht hinzu. Die Bearbeitung dauert meist 24 bis 48 Stunden, die Gutschrift geht auf die ursprüngliche Zahlungsart. Den offiziellen Weg beschreibt die Apple-Hilfe zur Rückerstattung. Ist die Spielwährung schon verbraucht, wird Apple strenger – dann sollten Sie ausdrücklich auf die Unwirksamkeit wegen Minderjährigkeit pochen.
Geld zurück bei Google Play
Bei Android hängt der Weg vom Zeitfenster ab, und hier machen die meisten Ratgeber einen Fehler. Es gibt zwei getrennte Fristen.
| Situation | Frist | Weg |
|---|---|---|
| Versehentlicher Kauf, kurz nach Bestellung | bis 48 Stunden | Antrag über den Bestellverlauf bei Google Play |
| Nicht autorisierte Belastung (z. B. Kauf des Kindes) | bis 120 Tage | als nicht autorisierte Transaktion melden |
Innerhalb von 48 Stunden können Sie den Kauf direkt über „Bestellverlauf“ und „Problem melden“ reklamieren. Danach ist der eigentliche Hebel die Meldung als nicht autorisierte Transaktion, die laut Google-Play-Hilfe innerhalb von 120 Tagen möglich ist – genau der Fall beim heimlichen Kauf des Kindes. Die Entscheidung dauert bis zu vier Werktage, die Auszahlung auf die Karte drei bis fünf.
Fortnite und Roblox – die Sonderfälle
Zwei der beliebtesten Kinderspiele laufen anders, und veraltete Ratgeber führen hier in die Irre.
Fortnite: Der große Rückerstattungs-Topf der US-Handelsbehörde FTC ist geschlossen – die Anmeldefrist endete am 9. Juli 2025, neue Anträge werden nicht mehr angenommen, und er betraf ohnehin vorrangig US-Nutzer. Für Familien in Deutschland gilt heute der normale Weg über den Kaufkanal, also Apple, Google oder den Epic-Support – nicht über die FTC.
Roblox: Robux-Käufe sind offiziell nicht erstattbar, Roblox zeigt sich bei nicht autorisierten Käufen von Kindern aber oft kulant, gerade beim ersten Mal. Der Weg richtet sich nach dem Text auf der Abbuchung: Steht dort „Xsolla“, läuft die Erstattung über den Xsolla-Support; nur „Roblox“ bedeutet den Roblox-Support; lief der Kauf über Apple oder Google, erstatten Sie dort. Wichtig und oft übersehen: Kontaktieren Sie erst den Support, bevor Sie bei der Bank eine Rückbuchung (Chargeback) anstoßen. Nach einer Rückbuchung ist über Roblox keine Erstattung mehr möglich – das erklärt auch die Roblox-Hilfe zu nicht autorisierten Käufen.
Käufe von vornherein sperren
Die beste Rückerstattung ist die, die man nie braucht. Beide Systeme lassen sich so einstellen, dass kein Kauf mehr ohne Ihre Freigabe durchgeht.
iPhone und iPad
Aktivieren Sie in der Familienfreigabe die Funktion „Kaufanfrage“: Einstellungen, Ihr Name, Familie, Name des Kindes, „Kaufanfrage“ einschalten. Danach muss jeder Kauf und Download des Kindes von Ihnen bestätigt werden – für Kinder unter 13 in der Familie ist das automatisch aktiv. Zusätzlich sperren Sie In-App-Käufe komplett über Einstellungen, Bildschirmzeit, Beschränkungen, „Käufe im iTunes und App Store“, „In-App-Käufe“ auf „Nicht erlauben“. Die Apple-Anleitung zur Funktion Kaufanfrage zeigt die Schritte im Detail.
Android
In Google Family Link stellen Sie das Play-Konto des Kindes so ein, dass alle Käufe und In-App-Käufe die Genehmigung eines Elternteils brauchen. Und ganz grundsätzlich: Hinterlegen Sie keine Kreditkarte dauerhaft im Konto des Kindes, und schauen Sie regelmäßig in die Abrechnungen. Wie Sie das Kinderhandy insgesamt sinnvoll aufsetzen, zeigt unser Beitrag zur Zusatzkarte fürs Kinderhandy.
Abo-Fallen erkennen und kündigen
Neben Einmalkäufen sind versehentliche Abos ein häufiges Ärgernis. Apple-Abos verwalten und kündigen Sie unter Einstellungen, Ihr Name, „Abonnements“; Google-Play-Abos über den Play Store, Profilbild, „Zahlungen und Abos“, „Abos“. Bereits abgebuchte, ungewollte Abos reklamieren Sie zusätzlich über die oben genannten Erstattungswege. Auch hier gilt die BGB-Logik: Ohne Ihre Genehmigung ist das Abo eines Kindes schwebend unwirksam.
Häufig gestellte Fragen zu In-App-Käufen von Kindern
Muss ich die In-App-Käufe meines Kindes bezahlen?
In vielen Fällen nicht. Käufe von Kindern unter sieben Jahren sind nichtig, bei 7- bis 17-Jährigen sind sie ohne Zustimmung der Eltern schwebend unwirksam. Verweigern Sie die Genehmigung, muss der Anbieter das Geld erstatten. Entscheidend ist, dass Sie schnell widersprechen – wer monatlich unbeanstandet zahlt, schwächt seine Position.
Wie bekomme ich Geld für Robux- oder Fortnite-Käufe zurück?
Lief der Kauf über Apple oder Google, fordern Sie ihn dort zurück. Bei Roblox richtet sich der Weg nach dem Abbuchungstext (Xsolla- oder Roblox-Support); kontaktieren Sie den Support, bevor Sie bei der Bank zurückbuchen. Der frühere FTC-Rückerstattungsweg für Fortnite ist seit Juli 2025 geschlossen – für Deutschland läuft die Erstattung über den Kaufkanal.
Wie lange habe ich Zeit für eine Rückerstattung?
Bei Apple 90 Tage ab Kauf für die Problemmeldung. Bei Google Play gibt es zwei Fristen: 48 Stunden für den einfachen Erstattungsantrag und bis zu 120 Tage, um eine nicht autorisierte Transaktion zu melden – das ist der richtige Weg beim heimlichen Kauf des Kindes.
Mein Kind hat ohne Erlaubnis mit meiner Kreditkarte gekauft – was tun?
Sofort den Kauf über den Store (Apple oder Google) reklamieren und dabei angeben, dass das Kind ohne Erlaubnis gekauft hat. Berufen Sie sich auf die Unwirksamkeit nach deutschem Recht. Dokumentieren Sie die Käufe, hinterlegen Sie die Karte nicht mehr im Konto und richten Sie eine Kauffreigabe ein. Bei hohen Summen hilft die Verbraucherzentrale.
Wie sperre ich In-App-Käufe auf dem Handy meines Kindes?
Auf dem iPhone über Bildschirmzeit In-App-Käufe auf „Nicht erlauben“ setzen und in der Familienfreigabe die „Kaufanfrage“ aktivieren. Auf Android über Google Family Link festlegen, dass jeder Kauf die Genehmigung eines Elternteils braucht. Zusätzlich keine Kreditkarte dauerhaft im Kinderkonto speichern.
Gilt der Taschengeldparagraf für In-App-Käufe?
Meist nicht. Der Taschengeldparagraf (Paragraf 110 BGB) setzt voraus, dass das Kind mit überlassenen eigenen Mitteln vollständig bezahlt. Bei In-App-Käufen, die über eine hinterlegte Karte der Eltern abgebucht werden, greift er in der Regel nicht – der Kauf bleibt ohne Zustimmung der Eltern schwebend unwirksam.
Wie kündige ich ein versehentliches Abo?
Apple-Abos unter Einstellungen, Ihr Name, „Abonnements“ kündigen; Google-Play-Abos über den Play Store unter „Zahlungen und Abos“, „Abos“. Bereits abgebuchte, ungewollte Abos zusätzlich über den jeweiligen Erstattungsweg reklamieren. Auch ein Abo eines Kindes ist ohne Zustimmung der Eltern schwebend unwirksam.