Ein Baby, das nachts schreit, sabbert und heiße Wangen hat, bekommt Zähne – so lautet die naheliegende Erklärung. Sie stimmt nur zum Teil. Gerötetes Zahnfleisch, Unruhe und vermehrter Speichelfluss sind tatsächlich die häufigsten Begleiterscheinungen des Zahndurchbruchs. Richtiges Fieber über 38 Grad gehört nicht dazu.
Diese Unterscheidung ist mehr als eine Feinheit. Wer erhöhte Temperatur, Durchfall oder Erbrechen auf die Zähne schiebt, übersieht möglicherweise einen Infekt. Die Zähne kommen bei fast jedem Kind irgendwann – eine Erkrankung, die gleichzeitig auftritt, verschwindet dadurch nicht.
Inhaltsverzeichnis
Wann die ersten Zähne kommen
Der erste Zahn zeigt sich meist um den sechsten Lebensmonat, üblicherweise ein unterer Schneidezahn. Die Streuung ist allerdings enorm: Manche Kinder kommen mit einem Zahn zur Welt, andere haben mit einem Jahr noch keinen. Beides ist für sich genommen kein Grund zur Sorge, solange die übrige Entwicklung unauffällig verläuft.
| Zähne | Durchbruch (etwa) |
|---|---|
| untere Schneidezähne | ab dem 6. Monat |
| obere Schneidezähne | etwa 8. bis 12. Monat |
| erste Backenzähne | ab dem 12. Monat |
| Eckzähne | im Anschluss an die ersten Backenzähne |
| zweite Backenzähne | etwa 24. bis 30. Monat |
Insgesamt sind es 20 Milchzähne – je vier Schneidezähne, zwei Eckzähne und vier Backenzähne in Ober- und Unterkiefer. Vollständig ist das Milchgebiss meist mit zweieinhalb bis drei Jahren. Die Reihenfolge ist dabei verlässlicher als der Zeitpunkt: Auch bei spätem Start kommen die Zähne in der gewohnten Abfolge.
Der erste Milchzahn bleibt übrigens rund sechs Jahre – erst dann beginnt der Zahnwechsel, wieder mit den unteren Schneidezähnen.
Was beim Zahnen wirklich passiert
Eine große Auswertung der vorhandenen Studien fand bei rund 70 Prozent der Kinder Auffälligkeiten rund um den ersten Zahndurchbruch. Am häufigsten waren:
- Gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch an der Stelle, an der der Zahn durchbricht.
- Vermehrter Speichelfluss – oft so stark, dass rund um Mund und Kinn die Haut gereizt wird.
- Unruhe und Reizbarkeit, häufig verbunden mit unruhigeren Nächten.
- Kaubedürfnis – alles wandert in den Mund, weil Gegendruck den Schmerz lindert.
- Weniger Appetit, weil das Saugen und Kauen unangenehm ist.
Eine leicht erhöhte Temperatur kann vorkommen. Fieber über 38 Grad ist dagegen selten und in aller Regel nicht auf die Zähne zurückzuführen – dahinter steckt meist ein viraler Infekt. Auch Durchfall, Erbrechen, Husten und Schnupfen gehören nicht zum Zahnen. Kommen solche Symptome dazu oder steigt die Temperatur, gehört das Kind in die Praxis, unabhängig davon, ob gerade ein Zahn kommt.
Was hilft
Es gibt kein Mittel, das den Zahndurchbruch beschleunigt oder schmerzfrei macht. Was hilft, ist Gegendruck, Kühlung und Zuwendung:
- Beißring aus dem Kühlschrank, nicht aus dem Gefrierfach. Zu kalte Gegenstände können das Zahnfleisch schädigen. Kühlschranktemperatur reicht aus.
- Massage des Zahnfleischs mit dem sauberen Finger oder einer weichen Fingerzahnbürste – simpel, aber für viele Kinder das Wirksamste.
- Etwas Hartes zum Kauen für ältere Babys, etwa ein Stück gekühlte Gurke, immer unter Aufsicht wegen der Verschluckungsgefahr.
- Fetthaltige Creme um den Mund herum, damit der Speichel die Haut nicht wund macht.
- Bei starken Schmerzen ein für Säuglinge zugelassenes Schmerz- und Fiebermittel in altersgerechter Dosierung – nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis.
Wovon Fachleute abraten
- Zahnungsgele mit Lokalanästhetika – die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt ausdrücklich vor lidocainhaltigen Zubereitungen für zahnende Kinder; dokumentiert sind Krampfanfälle, Hirnschäden und Todesfälle. Für benzocainhaltige Mittel gilt in den USA ein Anwendungsverbot bei Kindern unter zwei Jahren wegen der Gefahr einer Methämoglobinämie. Hinzu kommt, dass solche Gele binnen Minuten aus dem Mund gespült werden.
- Bernsteinketten – ein Wirknachweis fehlt, das Risiko ist real. Kinderärztliche Fachgesellschaften warnen vor Strangulation; reißt die Kette, können die Perlen verschluckt oder eingeatmet werden. Ketten aller Art gehören nicht an den Hals eines Babys.
- Alkoholhaltige Einreibungen und alte Hausmittel wie in Schnaps getauchte Tücher – für Säuglinge schlicht gefährlich.
Wird eine Veilchenwurzel zum Kauen gegeben, sollte sie an einer Kette befestigt und regelmäßig auf abgesplitterte Stellen kontrolliert werden. Ein Beleg für eine schmerzlindernde Wirkung über den Gegendruck hinaus existiert nicht.
Zahnpflege ab dem ersten Zahn
Geputzt wird ab dem Tag, an dem der erste Zahn sichtbar ist. Die Fachgesellschaften der Zahnmedizin und der Kinderheilkunde haben sich 2021 auf eine gemeinsame Empfehlung geeinigt, die frühere widersprüchliche Angaben abgelöst hat:
| Alter | Empfehlung |
|---|---|
| 2. Lebenswoche bis 1. Zahn | täglich Kombipräparat mit 400-500 I.E. Vitamin D und 0,25 mg Fluorid |
| 1. Zahn bis 12 Monate | entweder zweimal täglich reiskorngroße Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid oder weiter Fluoridtablette plus fluoridfreies Putzen |
| 12 bis 24 Monate | zweimal täglich reiskorngroße Menge, 1.000 ppm Fluorid |
| 2 bis 6 Jahre | zweimal täglich erbsengroße Menge, 1.000 ppm Fluorid |
| ab 6 Jahren | zweimal täglich Junior- oder Erwachsenenzahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid |
Fluoridtabletten und fluoridhaltige Zahnpasta dürfen nicht kombiniert werden – man entscheidet sich für einen Weg. Vitamin D wird dagegen unabhängig davon weiter gegeben. Zahnpasten mit 500 ppm Fluorid gelten nach dieser Empfehlung als überholt. Geschmacksneutrale Pasten sind vorzuziehen, weil Kleinkinder sie ohnehin verschlucken. Die Details stehen in den Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention und bei der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung.
Ab dem 6. Lebensmonat kommt die zahnärztliche Früherkennung dazu; ab der U7 wird die Fluoridprophylaxe auch bei den U-Untersuchungen angesprochen.
Häufige Fragen zum Zahnen
Ab wann bekommen Babys Zähne?
Meist um den sechsten Lebensmonat, beginnend mit einem unteren Schneidezahn. Die Spanne ist aber groß: Einzelne Kinder kommen mit einem Zahn zur Welt, andere haben mit zwölf Monaten noch keinen. Beides ist bei sonst unauffälliger Entwicklung normal. Bis das Milchgebiss mit 20 Zähnen vollständig ist, vergehen etwa zweieinhalb bis drei Jahre.
Bekommen Babys vom Zahnen Fieber?
Eine leicht erhöhte Temperatur kann beim Zahndurchbruch auftreten, echtes Fieber über 38 Grad dagegen nur selten – und dann meist aus anderem Grund, typischerweise durch einen viralen Infekt. Auch Durchfall, Erbrechen, Husten oder Schnupfen gehören nicht zum Zahnen. Treten solche Symptome auf, sollte das Kind ärztlich abgeklärt werden, statt die Beschwerden den Zähnen zuzuschreiben.
Was hilft meinem Baby beim Zahnen am besten?
Gegendruck und milde Kühlung. Ein Beißring aus dem Kühlschrank – nicht aus dem Gefrierfach, das schadet dem Zahnfleisch – sowie das Massieren des Zahnfleischs mit sauberem Finger oder weicher Fingerzahnbürste helfen den meisten Kindern. Bei älteren Babys kann ein gekühltes Stück Gemüse unter Aufsicht dazukommen. Gegen wunde Haut rund um den Mund hilft eine fetthaltige Creme. Bei starken Schmerzen kommt nach Rücksprache mit der Praxis ein für Säuglinge zugelassenes Schmerzmittel infrage.
Sind Zahnungsgele für Babys gefährlich?
Gele mit Lokalanästhetika sind kritisch zu sehen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt vor lidocainhaltigen Zubereitungen für zahnende Kinder – dokumentiert sind Krampfanfälle, schwere Hirnschäden und Todesfälle. Benzocainhaltige Mittel dürfen dort bei Kindern unter zwei Jahren wegen der Gefahr einer Methämoglobinämie nicht mehr angewendet werden. Hinzu kommt der geringe Nutzen, weil die Gele binnen Minuten aus dem Mund gespült werden. Vor der Anwendung eines Präparats sollte die Kinderarztpraxis gefragt werden.
Helfen Bernsteinketten beim Zahnen?
Ein Wirknachweis fehlt, das Risiko ist dagegen belegt. Kinderärztliche Fachgesellschaften warnen ausdrücklich vor der Strangulationsgefahr durch Ketten am Hals von Säuglingen; Todesfälle sind beschrieben. Reißt die Kette, können einzelne Perlen verschluckt oder eingeatmet werden. Halsketten jeder Art – auch Bernstein, Silikon oder Holz – gehören nicht an ein Baby.
Ab wann muss ich die Zähne meines Babys putzen?
Ab dem ersten sichtbaren Zahn, zweimal täglich. Bis zum zweiten Geburtstag genügt eine reiskorngroße Menge Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid, ab zwei Jahren eine erbsengroße, ab sechs Jahren eine Zahnpasta mit 1.450 ppm. Wichtig: Fluoridtabletten und fluoridhaltige Zahnpasta werden nicht kombiniert – entweder das eine oder das andere. Vitamin D wird unabhängig davon weitergegeben.
Mein Kind ist ein Jahr alt und hat noch keinen Zahn – ist das schlimm?
In aller Regel nicht. Der Zeitpunkt des ersten Zahndurchbruchs streut stark und sagt nichts über die spätere Zahngesundheit aus. Solange das Kind sonst altersgemäß entwickelt ist, gut isst und wächst, besteht kein Handlungsbedarf. Ansprechen können Sie es ohnehin bei der nächsten Früherkennungsuntersuchung – die U6 im 10. bis 12. Lebensmonat fällt genau in dieses Zeitfenster.