Zahnwechsel bei Kindern – Reihenfolge, Zeitplan und Probleme

Der erste Wackelzahn ist ein Meilenstein – und der Startschuss für einen Umbau, der rund sieben Jahre dauert. Aus 20 Milchzähnen werden 28 bleibende Zähne, später kommen bis zu vier Weisheitszähne dazu. Was viele Eltern nicht wissen: Der allererste bleibende Zahn ist gar kein Schneidezahn, sondern ein Backenzahn ganz hinten, der oft unbemerkt durchbricht.

Dieser Ratgeber zeigt, welcher Zahn wann kommt, klärt die häufigsten Irrtümer und Sorgen – vom Sechsjahrmolar über die „Haifischzähne“ bis zum wackelnden Milchzahn – und erklärt, was im Notfall bei einem ausgeschlagenen Zahn zu tun ist. Damit Sie wissen, was normal ist und wann der Weg zum Zahnarzt führt.

Wann der Zahnwechsel beginnt und endet

Der Zahnwechsel startet ungefähr mit dem Schuleintritt, also rund um den sechsten Geburtstag. Er verläuft in Phasen mit Pausen dazwischen; das bleibende Gebiss aus 28 Zähnen ist meist mit etwa 13 Jahren komplett. Die Weisheitszähne folgen deutlich später, oft erst um die Volljährigkeit oder noch danach – falls sie überhaupt angelegt sind. Abweichungen von einigen Monaten in die eine oder andere Richtung sind völlig normal und kein Grund zur Sorge. Eine gute Übersicht bietet das Portal kindergesundheit-info der BZgA zur Zahnentwicklung.

In welcher Reihenfolge die Zähne kommen

Der Wechsel folgt einem groben Muster. Die Zeitangaben sind Richtwerte – jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus.

Alter (ungefähr) Zahn
6 Jahre erster großer Backenzahn (Sechsjahrmolar), bricht hinter den Milchzähnen durch
6 bis 8 Jahre mittlere Schneidezähne, meist zuerst unten
8 bis 9 Jahre seitliche Schneidezähne
9 bis 11 Jahre Eckzähne im Unterkiefer
10 bis 12 Jahre erste kleine Backenzähne (Prämolaren)
11 bis 13 Jahre Eckzähne im Oberkiefer, zweite kleine Backenzähne
12 bis 14 Jahre zweite große Backenzähne
ab 17 Jahre Weisheitszähne, falls angelegt

Der Sechsjahrmolar – der erste bleibende Zahn

Hier liegt der häufigste Irrtum. Der erste bleibende Zahn ist meist nicht ein wackelnder Schneidezahn, sondern der Sechsjahrmolar – ein großer Backenzahn, der ganz hinten hinter der Milchzahnreihe durchbricht, ohne dass vorher ein Milchzahn ausfällt. Weil kein Zahn „Platz macht“, bemerken viele Eltern ihn gar nicht und halten ihn für einen Milchzahn. Das ist er nicht: Er bleibt ein Leben lang.

Das macht ihn besonders wichtig für die Pflege. Frisch durchgebrochener Zahnschmelz ist noch weich und wird erst etwa drei Jahre nach dem Durchbruch richtig hart – in dieser Zeit ist der Zahn anfällig für Karies. Putzen Sie die Kauflächen der hinteren Backenzähne also besonders gründlich. Beim Zahnarzt kann eine Fissurenversiegelung die tiefen Rillen zusätzlich schützen.

Haifischzähne: wenn der Zahn hinter dem Milchzahn kommt

Manchmal bricht ein bleibender Schneidezahn hinter dem noch festsitzenden Milchzahn durch – eine zweite Zahnreihe wie beim Hai. Am häufigsten passiert das an den unteren Schneidezähnen, typischerweise zwischen fünf und acht Jahren. So beunruhigend das aussieht: Meist besteht kein Grund zur Sorge. Es zeigt nur, dass der neue Zahn schon wächst, während sich die Wurzel des Milchzahns noch nicht ganz aufgelöst hat.

In vielen Fällen löst sich der Milchzahn von selbst, wenn das Kind vorsichtig daran wackelt, und der neue Zahn rückt durch Zungen- und Lippendruck nach vorn. Zum Zahnarzt sollten Sie, wenn der Milchzahn so fest sitzt, dass der bleibende Zahn keine Chance hat, an die richtige Stelle zu kommen, oder wenn Schmerzen auftreten. Details erklärt eine kinderzahnärztliche Praxis zum Thema Haifischzähne.

Wackelnde Zähne: was Sie tun und lassen sollten

Die wichtigste Regel: Milchzähne nicht gewaltsam ziehen. Sie fallen normalerweise von selbst aus, wenn ihre Zeit gekommen ist. Wird ein Zahn mit Gewalt herausgezogen – der alte Trick mit dem Faden an der Türklinke -, kann das zu einer Entzündung der Zahnwurzel führen und dem nachwachsenden Zahn schaden. Nur einen bereits sehr lockeren Zahn dürfen Sie sanft mit einem sauberen Taschentuch herausdrehen, und auch nur, wenn das Kind es möchte. Alles andere erledigt der Körper selbst.

Zahnpflege in der Wechselphase

Weil frisch durchgebrochene Zähne besonders kariesanfällig sind, ist gute Pflege jetzt entscheidend. Ab etwa sechs Jahren gilt: zweimal täglich mit einer Zahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid putzen, das Bürstenfeld voll belegt. Zusätzlich hilft fluoridiertes Speisesalz im Haushalt. Beim Zahnarzt kann bei normalem Kariesrisiko zweimal im Jahr ein Fluoridlack aufgetragen werden, bei hohem Risiko häufiger. Die Empfehlungen dazu stellt die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung zu Fluoriden für Kinder bereit. Wie Sie das Zähneputzen im Familienalltag gut verankern, zeigt unser Beitrag zum kindgerechten Badezimmer.

Wann Sie zum Zahnarzt müssen – und Erste Hilfe beim Zahnunfall

Ein Zahnarztbesuch ist ratsam, wenn ein Milchzahn sehr früh oder sehr spät ausfällt, wenn ein bleibender Zahn nach längerer Zeit nicht nachkommt, wenn ein Haifischzahn sich nicht löst oder bei Schmerzen und Entzündungen. Ein eigener Notfall ist der ausgeschlagene bleibende Zahn nach einem Sturz oder Aufprall. Dann zählt jede Minute:

  • Den Zahn suchen und nur an der Krone anfassen, niemals an der Wurzel.
  • Den Zahn nicht reinigen – auch wenn er verschmutzt ist.
  • Ihn feucht lagern, am besten in einer Zahnrettungsbox aus der Apotheke, ersatzweise in gekühlter H-Milch. Nicht in Wasser und nicht im Mund.
  • Innerhalb von etwa 20 Minuten zum Zahnarzt – je schneller der Zahn wieder eingesetzt wird, desto höher die Chance, dass er anwächst.

Ein ausgeschlagener Milchzahn wird in der Regel nicht wieder eingesetzt, um den darunterliegenden Zahnkeim nicht zu gefährden – trotzdem sollten Sie mit dem Kind zum Zahnarzt. Die Erste-Hilfe-Schritte fasst der Bundesverband der Kinderzahnärzte zum Zahnunfall zusammen.

Häufig gestellte Fragen zum Zahnwechsel

In welcher Reihenfolge fallen die Milchzähne aus?

Meist fallen zuerst die mittleren unteren Schneidezähne aus, dann die oberen, danach folgen seitliche Schneidezähne, Eckzähne und die kleinen Backenzähne. Parallel bricht schon der erste bleibende Backenzahn, der Sechsjahrmolar, ganz hinten durch, ohne dass ein Milchzahn ausfällt.

Ab welchem Alter beginnt der Zahnwechsel und wann ist er abgeschlossen?

Der Zahnwechsel beginnt ungefähr mit dem Schuleintritt um den sechsten Geburtstag. Das bleibende Gebiss aus 28 Zähnen ist meist mit etwa 13 Jahren komplett. Die Weisheitszähne kommen deutlich später, oft erst um die Volljährigkeit – falls sie angelegt sind.

Sind Haifischzähne gefährlich?

Meist nicht. Wenn ein bleibender Zahn hinter dem noch festen Milchzahn durchbricht, zeigt das nur, dass der neue Zahn schon wächst. Oft löst sich der Milchzahn von selbst, wenn das Kind daran wackelt. Zum Zahnarzt sollten Sie, wenn der Milchzahn so fest sitzt, dass der bleibende Zahn nicht an seine Stelle kommt, oder bei Schmerzen.

Darf man einen wackelnden Milchzahn ziehen?

Nicht gewaltsam. Milchzähne fallen normalerweise von selbst aus. Gewaltsames Ziehen kann eine Zahnwurzelentzündung verursachen und dem nachwachsenden Zahn schaden. Nur einen sehr lockeren Zahn dürfen Sie sanft mit einem sauberen Taschentuch herausdrehen – und nur, wenn das Kind es möchte.

Was ist der Sechsjahrmolar und warum ist er kein Milchzahn?

Der Sechsjahrmolar ist der erste bleibende Backenzahn. Er bricht um den sechsten Geburtstag ganz hinten hinter der Milchzahnreihe durch, ohne dass ein Milchzahn ausfällt – deshalb wird er oft für einen Milchzahn gehalten. Er bleibt aber ein Leben lang und braucht wegen seines anfangs weichen Schmelzes besonders gute Pflege.

Wie viel Fluorid braucht mein Kind ab 6 Jahren?

Ab etwa sechs Jahren zweimal täglich mit einer Zahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid putzen, das Bürstenfeld voll belegt. Zusätzlich hilft fluoridiertes Speisesalz. Beim Zahnarzt kann bei normalem Kariesrisiko zweimal im Jahr ein Fluoridlack aufgetragen werden, bei hohem Risiko häufiger.

Mein Kind hat sich einen Zahn ausgeschlagen – was tun?

Den Zahn nur an der Krone anfassen, nicht reinigen und feucht lagern – am besten in einer Zahnrettungsbox aus der Apotheke, ersatzweise in gekühlter H-Milch, nicht in Wasser. Dann innerhalb von etwa 20 Minuten zum Zahnarzt, damit ein bleibender Zahn wieder anwachsen kann. Ein Milchzahn wird meist nicht wieder eingesetzt.